Frakturen
Definition:
Die Traumatologie umfasst die Diagnose und die Therapie von Verletzungen. Im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich beinhaltet dies Verletzungen von Knochen, Weichgeweben oder Zähnen bzw. deren Kombination. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Ursachen gewandelt. So sind schwere Kopfverletzungen als Folge von Autounfällen durch Sicherheitsmaßnahmen wie die Anschnallpflicht zurückgegangen. In den Vordergrund getreten sind Unfälle bei modernen Sportarten wie Inlineskating und Mountainbiking.
Indikation:
Ziel der Therapie ist die Wiederherstellung der geschädigten Strukturen, möglichst ohne Spätfolgen. Dies ist jedoch nicht immer möglich.
Brüche der Knochen des Gesichtsschädels betreffen neben dem äußeren Erscheinungsbild vor allem die Funktionen wie Kauen, die Mundöffnung oder das Sehen. Ohne eine sorgfältige Rekonstruktion sind hier oft sehr einschneidende Spätfolgen zu erwarten, die direkt nach dem Unfall oft für den Patienten nicht vorhersehbar sind.
Weichgewebsverletzungen von Haut und Mundschleimhaut müssen unter ästhetischen Gesichtspunkten sorgfältig rekonstruiert werden. Jedoch verdient die Wiederherstellung der Funktion auch hier große Beachtung, insbesondere wenn Strukturen wie Gesichtsnerven, die Gefühl oder Bewegung übertragen, geschädigt sind.
Zahnverletzungen können einfach aber auch sehr weitreichend sein. Eine zeitnahe Beurteilung und fachgerechte Versorgung kann auch den Erhalt eines ausgeschlagenen Zahnes in bestimmten Fällen noch ermöglichen.
Methoden:
Verletzungen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich können zum Teil in Lokalanästhesie, müssen oft aber auch in Vollnarkose versorgt werden.
Verletzungen der Knochen werden heutzutage zumeist mit kleinen Titanplättchen stabilisiert. Diese sind zumeist so stabil einzubringen, dass Bewegungen wie die Mundöffnung sofort wieder möglich sind. Dies wird als „übungsstabil“ bezeichnet. Nur noch selten ist es notwendig, die Zahnreihen von Ober- und Unterkiefer aneinander zu binden. In bestimmten Fällen können auch Materialien verwendet werden, die der Körper abbauen kann, sodass sie später nicht mehr entfernt werden müssen.
Weichgewebsverletzungen müssen sorgfältig begutachtet werden, da diese oft tiefer reichen, als auf dem ersten Blick ersichtlich. Unter Zuhilfenahme spezieller Instrumente, wie besonders feinem Nahtmaterial oder dem Operationsmikroskop, wird die möglichst originalgetreue Wiederherstellung angestrebt. Die speziellen Anforderungen des Gesichts müssen hierbei stets beachtet werden.
Die Behandlung von Verletzungen der Zähne hat zunächst das Ziel, die eigenen Zähne des Patienten zu erhalten. Hier kommen Schienen oder zahnärztliche Kunststoffe zum Einsatz. Im Verlauf der nächsten Wochen nach dem Unfall muss dann oft beurteilt werden, ob ein verletzter Zahn auf Dauer erhalten werden kann.
Behandlungsablauf:
Am Anfang jeder Therapie steht eine sorgfältige Diagnostik. Auch bei augenscheinlich nur Weichgewebsverletzungen müssen oft Röntgenbilder oder Computertomographien angefertigt werden, um knöcherne Verletzungen in der Tiefe auszuschließen. Auch müssen häufig Kollegen anderer Disziplinen hinzugezogen werden, die Spezialisten für benachbarte Körperregionen sind. Dies sind z. B. Augenärzte, Neurologen oder Hals-, Nasen-, Ohrenärzte. Nach sorgfältiger Planung des Operationsablaufs werden die verletzten Strukturen dann nach bewährten Prinzipien Schritt für Schritt rekonstruiert. In manchen Fällen ist dies auch nicht innerhalb einer einzigen Operation möglich. Auch nach der Versorgung werden Röntgenaufnahmen zur Beurteilung des Operationsergebnisses angefertigt. Auch weitergehende Behandlungsschritte, wie die endgültige Wiederherstellung der Kaufunktion oder die Verbesserung der Beweglichkeit der Gesichtsmuskulatur, werden von unserer Abteilung eingeleitet.
Eingebrachte Miniplatten aus Titan können, nachdem die Knochen stabil verheilt sind, wieder entfernt werden. Dies ist meist nach etwa sechs Monaten der Fall.
Prognose:
Die Prognose nach Verletzungen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich ist sehr individuell und stark vom Ausmaß des Traumas abhängig. Auch wenn nach einer notfallmäßigen Erstversorgung Nachteile für den Patienten zurückbleiben, sind oft auch nach Jahren noch Verbesserungen möglich. Die bestehenden Behandlungsmöglichkeiten müssen in einem individuellem Beratungsgespräch aufgezeigt und geplant werden.
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